Gedruckte Erinnerungen neu gedacht: Begegnung mit Cyanotypie in Jena
An einem Kaffee mit dem Fotokünstler Stephan Black & White tauche ich in eine handwerkliche Fototechnik ein, die meine Beziehung zu Bildern weiter verwandelt.
Letzte Woche hatte ich das Glück, den Jenaer Fotokünstler Stephan Black & White bei einem Kaffee zu treffen. Über Instagram lud er zu Kaffee und einem kleinen Mini-Workshop ein. Schon beim Lesen seiner Worte spürte ich diese leise Neugier in mir wachsen. Und weil mir der Urlaub den Raum schenkte, machte ich mich auf den Weg nach Jena – offen für Begegnungen, Gespräche und das, was daraus entstehen würde.Bis zu diesem Zeitpunkt war mir die Cyanotypie nur ein Begriff – und vertraut durch die alten, bläulich leuchtenden Fotoprints, die ich hin und wieder bei Stephan sah: Bilder, in denen sich Licht und Chemie zu etwas ganz Eigenem verbinden. Doch live zu sehen, wie Stephan seine Arbeiten erschafft, war etwas völlig anderes. Es geht nicht nur um Technik, sondern um die Magie des Prozesses: das Belichten von Papier, das Warten, bis das Bild langsam zum Vorschein kommt, das Entwickeln in Wasser und schließlich das Staunen über die leuchtend blauen Konturen.
Er hat mir gezeigt, dass Cyanotypie viel mehr ist als ein Retro-Effekt. Es ist eine Form, die jedem Bild eine eigene physische und emotionale Tiefe verleiht. Während ich an meinem Kaffee nippte, durfte ich ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Ganz bewusst wählten wir zwei meiner eigenen Bilder aus, um sie für diesen Prozess zu nutzen. Das Einfärben, Belichten und das langsame Erscheinen der Motive. Es fühlte sich fast meditativ an. Jedes Blatt Papier wurde zu einem kleinen Abenteuer, zu einem Moment der Konzentration und des Staunens. Besonders faszinierend fand ich, wie Stephan den Prozess nutzt, um seine Fotografien neu zu interpretieren. Ein Aktfoto, ein Detail des Körpers. Durch Cyanotypie bekommt es mehr Gewicht und Präsenz. Formen und Linien treten klar hervor. Licht und Schatten wirken stärker. Das Bild erzählt eine neue Geschichte. Ich verstand, dass es bei dieser Technik nicht nur um das Bild selbst geht, sondern um die Geschichte, die man ihm gibt, während man es erschafft. Nach diesem Besuch war für mich klar: Cyanotypie ist mehr als ein blaues Bild. Sie ist ein Werkzeug, um digitale Bilder wieder zu greifbaren Momenten zu machen – ähnlich wie ich es schon beim Drucken meiner Fotos mit dem Canon SELPHY CP1500 erlebt habe, aber auf eine viel experimentellere, künstlerische Weise.Jetzt beginne ich, meine eigenen kleinen Projekte in Cyanotypie zu starten. Jede Belichtung, jeder Farbton, jede Unvollkommenheit erzählt eine Geschichte. Und während ich daran arbeite, denke ich immer wieder an die Kaffeestunde mit Stephan in Jena – an seine Geduld, seine Leidenschaft und die stille Magie, die entsteht, wenn Licht auf Chemie trifft.
Cyanotypie ist für mich der nächste Schritt, meine Fotografie bewusster, greifbarer und künstlerischer zu machen. Und wer weiß – vielleicht wird der nächste Spaziergang oder das nächste Shooting mit einem Model nicht nur ein Moment in meiner Galerie, sondern ein leuchtendes Blau auf Papier, das ich in die Hand nehmen kann.
Wie es war, die ersten eigenen Cyanotypien zu belichten, inklusive kleiner Missgeschicke und unerwarteter Effekte – verrate ich im nächsten Beitrag. Eines kann ich schon sagen: Es wird blau mehr oder mal weniger und überraschend!
MW




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