Ein Tag, der nichts wollte

Am Morgen liegt stellenweise Nebel in den Senken und zwischen den Bäumen. Nicht dicht, eher lose. Er zieht durch den Wald, bleibt kurz stehen und löst sich wieder auf. Kein abgeschlossener grauer Raum, eher ein ruhiger Einstieg in den Tag.

Die Wege sind kalt und feucht, der Boden noch gefroren. Mit der Zeit wird das Licht klarer, ohne wirklich hell zu werden. Dezember eben. Gedämpfte Farben, wenig Kontrast. Ich gehe los, ohne ein bestimmtes Ziel. Die bekannten Wege fühlen sich trotzdem anders an, vielleicht weil alles langsamer beginnt.

Die Canon A-1 ist dabei, geladen mit Kodak Gold 200. Ich habe nicht vor, viel zu fotografieren. Film setzt Grenzen, und das ist angenehm. Ich bleibe öfter stehen, messe, verwerfe wieder. Das Licht ist gleichmäßig, manchmal fast langweilig. Aber genau darin liegt etwas Ehrliches.

Im Wald hält sich der Nebel am längsten. Er steht zwischen den Stämmen, löst Kanten auf, macht Übergänge weich. Weiter oben lichtet er sich. Felsen werden klarer, Strukturen treten hervor. Kein spektakulärer Anblick, aber ein ruhiger. Einer, der nicht ablenkt.


Ich fotografiere vor allem Details. Wege, die sich durch den Wald ziehen. Felsflächen, kühl, fast glatt. Einzelne Bäume, die sich vom Hintergrund lösen. Viele Bilder entstehen ohne große Überlegung. Ich versuche, nicht zu viel zu wollen.

An den Aussichtspunkten bleibe ich kurz stehen. Die Sicht ist besser als erwartet, reicht aber nicht weit. Der Blick verliert sich im Dunst. Ein Bild, dann weiter. Kein Grund, länger zu bleiben.

Mit dem Fortschreiten des Tages verschwindet der Nebel fast vollständig. Übrig bleibt eine ruhige Landschaft. Still, zurückhaltend. Kein dramatisches Licht, keine klaren Höhepunkte. Alles bleibt auf einer Linie.

Auf dem Rückweg bin ich müde, aber zufrieden. Die Kamera kommt seltener zum Einsatz. Es ist genug. Zu Hause bleibt der Film erst einmal in der Kamera. Ich weiß, dass die Bilder unspektakulär sein werden. Aber sie passen zu dem Tag.

Es war keine Wanderung, die etwas beweisen wollte. Nur ein paar Stunden draußen. Mit Zeit, mit Ruhe und mit dem Gefühl, dass nicht jeder Moment festgehalten werden muss.

MW

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