Harman Phoenix II - „wie der Phönix aus der Asche" - Ein Ersteindruck

 
HARMAN Phoenix II - Ein erster Eindruck

Kurzer Blick zurück

Dezember 2023 - Harman Technology Ltd kündigt einen neuen Film an.

Der HARMAN Phoenix 200 ist der erste Farbfilm, der von der Emulsion bis zur Kassette komplett im Werk in Mobberley (UK) hergestellt wird - ein bedeutender und unglaublich Meilenstein.

Leider konnten mich die Ergebnisse des ersten Phoenix nicht überzeugen. Schaut euch ruhig Beispiele im Netz an. Viele der Bilder haben mich eher abgeschreckt, denn dazu bewogen, mir selbst einen zu besorgen und zu testen.  Ein experimenteller Film, der zweifelsfrei seine Anhängerschaft gefunden hat - nur MICH eben nicht. 
Unabhängig davon freue ich mich über jeden Hersteller, der uns neue Filme beschert und damit der Welt zeigt - "Film is not dead" (FIND).

This was just the beginning...

Aus der Asche auferstanden um zu bleiben - HARMAN Technology Ltd. hat auf die Film-Community gehört und das Feedback zur Weiterentwicklung seines Farbfilms genutzt.

Der Hersteller gibt an jede Schicht und Komponente neu gestaltet und zu einer völlig neuen Formulierung umgestaltet zu haben.

Her damit...

Also habe ich mir die Neuentwicklung des HARMAN Phoenix II mal näher angesehen. Auf dem ersten Blick und den ersten Vergleichsbildern kann man die Verbesserung von Kontrast, Körnung, Schärfe und Farbwiedergabe gegenüber der alten Emulsion erkennen. 
Und dennoch waren die Bilder die ich auf Instagram gesehen habe, sehr unterschiedlich von den Ergebnissen. Gerade die Bildern die aus den Laboren kamen, wiesen noch immer diesen Look des alten Phoenix auf, wenn auch minimal neutraler. Aber da es auch durchaus wirklich ansehnliche Beispiele gab musste einer her.
Im Labor meines Vertrauens direkt einen mitgenommen. Ich wollte mich persönlich davon überzeugen. Und wenn die Ergebnisse nicht passen, war es ein interessanter Versuch.

Die Überraschung!!!

Es ist Sonntag - ich sitze in Dresden und warte darauf mit meiner Leica M6 zu fotografieren. Das Wetter ist grausig, aber es soll für ein kurzes Zeitfenster von etwa 3 Stunden aufklaren. Also ad hoc die Ausrüstung zusammen gesammelt. Es begleitet mich neben meiner Leica M6, das Summicron 50mm und das Voigtländer Color Skopar 28mm 2.8. 

Wo testet man einen solchen Film wie den HARMAN Phoenix II?! Dresden Stadt?! Ach komm ich fahre zum Schloss Pillnitz und besuche die Gärten.

WOW... Ich bin vollkommen überrascht! Damit habe ich nicht gerechnet.

Aber bevor wir auf die Details eingehen. Die Negative wurden mit dem Valoi Easy35 und einer Sony A7RII digitalisiert und mit SmartConvert umgewandelt.

DIESE FARBEN und dieser LOOK... Absolut kein Vergleich mit dem HARMAN Phoenix I und den Bildern die ich bisher gesehen hatte.

GRAIN... Für einen ISO 200 Film besitzt der Phoenix II ein deutlich sichtbares Korn. Wer Bilder mit ausgeprägter Textur oder Struktur sucht wird den Phoenix II lieben. Ein Film mit Charakter! Wer ein präsentes Korn nicht mag, der sollte einen anderen Film wählen. Anfänglich war ich skeptisch, ob ich diese Struktur bei einem Farbfilm wirklich überzeugend finde. Jetzt kann ich sagen - Ja mir gefällt es!

KONTRAST... Bei richtiger Belichtung sieht er fantastisch aus. Aber Vorsicht vor Unterbelichtung - da tendiert er schnell zum "absaufen" der Schatten. Kann sicherlich bei dem Ein- oder Anderen Motiv gewollt sein. Aber das Korn wird aufdringlicher und man verliert jedwede Details in den Schatten. Dies ist mir hier und da auch passiert.

FARBEN... Der Knaller! Aber nicht für jedes Motiv geeignet. Besonders die Grüntöne werden wunderschön dargestellt. Rottöne tendieren zu Orange. Unglaublich gesättigt dargestellt werden die Blautöne, die ich in der Nachbearbeitung immer leicht zurückfahren musste. Bei anderen Bloggern habe ich gelesen, dass sich der Phoenix II beim Dynamikumfang und Farben dem Velvia sehr ähnlich ist. 

SCHÄRFE... Ausreichend! Es gibt sicherlich aktuell schärfere Filme. Ich war dennoch über die Details erstaunt, die er liefert.

HALATIONS... Nicht nur Cinestill kann Halations. Der eine mag sie, andere finden es scheußlich. Die Überstrahlungen die je nach Licht auftreten, zeigen sich in einer eher gelblichen Färbung. Wenn man es gezielt nutzt, können Bilder mit einem fast malerischen Effekt entstehen. Es ist im Gegensatz zum Cinestill auch nicht ganz so stark - eher dezent. 

Fazit

Nach dem Test kann ich für mich persönlich festhalten - ein wirklich interessanter Film. Mit seinen Farben und seinem Look wäre er für mich nicht die erste Wahl wenn es um Portrait-Photographie geht. Dafür setze ich weiterhin auf andere Filme, welche die Hauttöne besser darstellen können. 
Je nach Motiv kann der Phoenix II aber brillieren und ist für jeden geeignet, der abseits üblicher Filme nach einem speziellen Look sucht, der sich von der breiten Masse abhebt.


Bildbeispiele













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